Wie wird Wissensmanagement in selbstorganisierten Organisationen betrieben? Am Give & Take Selbstorganisation · Heilsbringer oder Teufelszeug? diskutierten wir engagiert diese Frage. Agile Breakfast Luzern organisiert diesen speziellen Mini-Open Space von und für die Community Lean, Agile & Scrum der SwissICT.

Erübrigt sich Wissensmanagement durch Selbstorganisation?

Die lebhafte Diskussion zeigt, dass Wissensmanagement in jeder Organisationsform eine Herausforderung bleibt. Drei Problemfelder stachen heraus:

  • Mengen-Explosion. Umgang mit dem steigenden Umfang an gesammeltem Wissen.
  • Ausmisten. Dokumentation und Eintragungen aktuell halten.
  • Informationen finden. Strukturierte Ablage oder intelligente Suchmöglichkeit über die Inhalte.

Unter den Teilnehmern werden Wikis und Bugtracking-Systeme am häufigsten zum Wissensmanagement eingesetzt. Wobei interessanterweise auch diese beliebten Systeme die drei Problemfelder nicht wesentlich mildern. Weil, Wissen muss aktiv gepflegt werden. Ohne Vergessen kein Lernen. Ein Wiki-Gärtner muss her. Wikis beackern scheint keine beliebte Tätigkeit zu sein. So wird eine Person dazu verknurrt. Muss das sein?

Wissen teilen statt festhalten?

Informationen im Wiki sind noch kein Wissen. Wissen muss vermittelt, verstanden und umgesetzt werden. Also, raus aus dem stillen Kämmerlein und ab in die Schulstube? Wissen vermitteln auf Vorrat im Voraus hat sich nicht bewährt. Wissen ohne konkretes Interesse können oder wollen wir nicht aufnehmen. Hilfreich hingegen ist zu wissen, wer was weiss. Um im Bedarfsfall das Wissen abrufen zu können.

Der freiwillige Austausch unter Gleichgesinnten in Dōjōs oder Guilden bewährt sich hingegen. Das Lernen von Peers, das Entwickeln eines Themas, das Setzen von Standards und Vorgaben hilft Wissen zu erarbeiten und zu verankern. Und macht Spass und motiviert!

Benefit für mich?

Der freiwillige Austausch unter Gleichgesinnten funktioniert, nicht jedoch die Wissenspflege in der Allmende Wiki. Vielleicht weil zu viel ohne Nutzen dokumentiert wird? oft am Ende eines Prozesses, zum Beispiel der Entwicklung von Software. Wissen dokumentieren muss sich lohnen. Dokumentiertes Wissen muss nützlich sein. Dann wird sich Wissen selbst verwalten, ohne dass ein Gärtner dazu verknurrt werden muss.

Wissen nützlich?

Wissen ist essenziell für uns Wissensarbeiter. Erfolgreiches Wissensmanagement bewirtschaftet und vermittelt nützliches Wissen dann und dort, wo es gebraucht wird. Wissen wird nützlich durch den Gebrauch. Und nur nützliches Wissen wird auch genutzt. Wissen bewirtschaften muss sich für die Bewirtschafter lohnen. In einer Selbstorganisation kennt und schätzt jeder Einzelne den Wert von Wissen und pflegt es gerne:

  • Prozesse und Abläufe sind selbst-dokumentierend und bewirtschaftet durch die direkt Beteiligten.
  • Fachkräfte entwickeln sich gemeinsam weiter.
  • Langlebiges Fachwissen wird systematisch gesammelt und dokumentiert.
  • Projektunterlagen werden entsorgt.