Neun von zehn nutzen KI. Nur jede dritte Organisation misst einen Effekt
Am 9. September haben wir mit rund 100 Gästen zehn Jahre agilist. gefeiert. Das Thema wurde durch die Gäste bestimmt: Umgang mit künstlicher Intelligenz. In den Resilient Studios in Zürich haben wir einen Nachmittag voller Inspiration und ein Apéro riche verbracht, bei dem die Gespräche kein Ende nehmen wollten.
Auf der Bühne standen sehr unterschiedliche Menschen mit sehr unterschiedlichen Themen. Julian Liniger von Relai sprach über Erfolg, Ausführung unter Druck und Nutzung von KI im Startup-Umfeld. Thomas Molitor über KI und die nächste Evolutionsstufe der Organisation. Peter Zurkirchen und Andrea Dubach über Teams, die durch KI schneller werden und: schwächer. Andreas Windler über kognitive Resilienz.
Es ging um Menschen. Um Teams. Um Organisationen, die mit etwas umgehen müssen, das schneller da war, als jede Strategie umgesetzt ist. Es geht darum, was es mit uns als Individuen macht, wenn wir das Denken auslagern und uns Hilfsmittel anschnallen, die unser Miteinander verändern. Es ging um die Frage, wie die Sprachmodelle unsere Zusammenarbeit verändern und ob wir noch menschliche Reibung aushalten wollen, wenn sich die Zusammenarbeit mit der KI so angenehm anfühlt. Und es geht um die Führungsfrage: Wie gebe ich Orientierung, wo mache ich Vorgaben, was lasse ich zu. Ich habe an diesem Abend nie gehört: Welches Tool soll ich einkaufen und einführen?
Die Zahlen sagen: Der Nutzen ist oft nicht so ganz klar
Man muss nicht raten, wo Organisationen 2026 tatsächlich stehen. Es gibt bemerkenswert eindeutige Daten.
McKinsey befragt jedes Jahr Führungskräfte weltweit zum Stand von KI. In der aktuellen Ausgabe vom August 2026 berichten fast neun von zehn Befragten, dass ihre Organisation KI regelmässig in mindestens einem Geschäftsbereich einsetzt. Im selben Bericht führen 37 Prozent überhaupt einen positiven Effekt auf das Betriebsergebnis zurück. Gesteigerte Innovation, Kundenzufriedenheit und Mitarbeitendenzufriedenheit werden zurückgemeldet.
Gartner hat zwischen Januar und April 2026 gut 1’300 Organisationen ab 50 Millionen Dollar Umsatz befragt und zwei Zahlen nebeneinandergestellt, die man sich merken sollte: 85 Prozent der Funktionsverantwortlichen wollen ihre KI-Ausgaben 2026 erhöhen – und 11 Prozent wissen nicht, wie viel sie 2025 überhaupt für KI ausgaben.
Es fliesst viel Geld, Mühe und Entscheidungszeit in die Nutzung von KI-Hilfsmitteln. Die Studien weisen für mich darauf hin, dass gleichzeitig eine diffuse Mischung ist zwischen: mehr Investieren und gleichzeitig nicht genau wissen, welche Ziele damit verfolgt werden.
Für die Schweiz sind die Zahlen noch interessanter
PwC befragt für die Global CEO Survey jährlich auch Schweizer CEOs – in der aktuellen Ausgabe 81 von ihnen. Das Ergebnis ist auf den ersten Blick erfreulich: 79 Prozent bescheinigen ihrer Organisation kulturelle Bereitschaft für KI. Global sind es 69 Prozent. Wir sind offener als der Durchschnitt.
Auf den zweiten Blick: 21 Prozent melden Kostensenkungen durch KI, 16 Prozent Umsatzgewinne. Beides liegt deutlich unter dem globalen Vergleichswert.
Wir sind also offener als die anderen, die Wirkung ist vergleichsweise bescheiden. Warum ist das so? Liegt es an der Technologie, am Datenschutz oder etwas anderem?
Was in Unternehmen und Behörden oft passiert
Es werden Lizenzen gekauft, in der Hoffnung, dass daraus Kompetenz wird. Es laufen Pilotprojekte, die niemand abschliesst, weil niemand definiert hat, woran man Erfolg erkennen würde. Und es gibt Mitarbeitende, die mit KI Dinge tun, bei denen sie früher den Kollegen oder die Kollegin gefragt hätten. Die soziale Komponente eines Teams erodiert und das «Wissen» wird auf die eigenständige Erarbeitung von Sprachmodell-Zusammenfassungen ausgelagert. Wissen wir noch, ob es wirklich korrekt ist, was wir schreiben und intern weitergeben?
Dazu kommt: KI ist ja nie das einzige Thema. Sie liegt obendrauf. Auf Fachkräftemangel, auf Kostendruck, auf Cybersecurity – dem am höchsten bewerteten Risiko Schweizer CEOs –, auf Datenschutz, auf laufender Digitalisierung. KI ist die Baustelle, die niemand bestellt hat. Die Geschwindigkeit ist Atemberaubend und es fühlt sich an wie ein Wettrüsten.
Und der Kalender von Führungspersonen gab schon vorher nichts her und jetzt sieht es noch schlimmer aus: Schweizer CEOs verbringen über die Hälfte ihrer Zeit mit kurzfristigen Prioritäten; nur 12 Prozent richten den Blick über fünf Jahre hinaus. Jede zusätzliche Baustelle kostet dieselbe Ressource: Führungsaufmerksamkeit. Die knappste, die es gibt.
Die teuerste Lücke ist die im eigenen Führungsteam
Es gibt einen Test, der fast überall funktioniert. Frag fünf Personen aus deinem Führungsteam, was «wir machen jetzt KI» bei euch konkret bedeutet. Wenn du fünf verschiedene Antworten bekommst, dann gehörst du wohl zur Mehrheit. Aber es erklärt, warum bei euch nichts vorwärtsgeht. Ohne gemeinsames Bild zieht niemand am gleichen Strick, egal wie gut das Tool ist.
Und es hat einen Preis, den man selten mitrechnet. Gallup misst jährlich das Engagement der arbeitenden Bevölkerung; die aktuelle Ausgabe beruht auf über 260’000 Befragten. Das Engagement von Führungskräften ist von 31 Prozent im Jahr 2022 auf 22 Prozent im Jahr 2025 gefallen – neun Punkte, stärker als in jeder anderen Gruppe. Und Führungskräfte berichten im Tagesverlauf mehr Stress, mehr Ärger, mehr Traurigkeit und zehn Punkte mehr Einsamkeit als die Mitarbeitenden, die sie führen.
Sie sollen Orientierung geben in einem Thema, bei dem sie selbst keine haben. Und sie dürfen das niemandem sagen. Wer gibt dir denn heute die Zeit, sich mit all dem auseinanderzusetzen? Wer macht dir diese Zeit frei, damit du dir den Überblick verschaffen kannst?
Übrigens: McKinsey findet bei den Organisationen, die tatsächlich Wirkung erzielen, vor allem ein Unterscheidungsmerkmal. Sie geben doppelt so häufig an, dass ihre oberste Führung sichtbares Commitment für KI zeigt. Nicht mehr Budget. Nicht bessere Tools. Sichtbare Führung mit Sinn für Entscheidungen.
Reife kann man nicht überspringen
Aus genau dieser Beobachtung ist unser Reifegradmodell KI-Mo-Now entstanden.
Den Mechanismus kennst du beispielsweise aus dem Kanban Maturity Modell: Reife baut sich in Stufen auf, und keine lässt sich überspringen.
Sie beginnt beim Individuum. Wie kann der einzelne Mensch mit dieser Technologie im Alltag arbeiten? Nicht nur ein Tool bedienen, sondern beurteilen, wann es hilft und wann nicht?
Dann kommt das Team. Funktioniert das auch, wenn vier Leute an derselben Sache arbeiten? Wo entsteht Reibung, wo entsteht Tempo? Wo verlieren wir den Team-Zusammenhalt?
Dann die Abteilung. Gibt es Abläufe, die mit KI tatsächlich anders aussehen und lässt es sich skalieren? Oder sind es wieder dieselben Abläufe mit mehr Zwischenschritten und AI-Agenten, die mitwirken?
Und dann die Organisation. Mit Leitplanken, an die sich Menschen halten, weil sie sie verstehen. Nicht, weil sie in einer Richtlinie stehen, sondern weil jeder das Risiko begreift und versteht, wie Sprachmodelle und andere KI-Hilfsmittel funktionieren.
Quer über alle vier Stufen schauen wir fünf Dimensionen an: Strategie und Haltung, Organisation und Prozesse, Kompetenzen und Kultur, Recht und Governance, Technologie und Daten.
Und wenn du genau hinschaust, merkst du: Das ist eigentlich kein KI-Check. Das ist ein Organisations-Check, zu dem KI den Anstoss gibt. Es ist immer ein guter Zeitpunkt, sich in kurzen Feedback-Schlaufen, Experimenten und gemeinsamer Zielsetzung zu üben.
Was das praktisch heisst
Die KI-Potenzialanalyse ist ein Halbtag oder ein Tag mit deinem Führungsteam. Vorab ein kurzer Fragebogen, damit wir wissen, wo ihr steht und welche zwei der Dimensionen ihr im Fokus besprechen wollt. Dann der Workshop, in dem ihr euer gemeinsames Bild erarbeitet, euren KI-Monitor. Das ist schon die halbe Wertschöpfung, denn ihr geht als Führungsteam mit einer gemeinsamen Sicht den Stand der Dinge und auf die nächsten Schritte heraus. Danach erstellen wir einen Bericht mit priorisierten Handlungsempfehlungen und einer Roadmap für 30, 90 und 180 Tage.
Und ihr wisst am Ende auch, was ihr dieses Jahr nicht machen müsst. Das ist der Teil, der wirklich entlastet.
Ihr müsst dafür nämlich nicht KI-Expertinnen und KI-Experten werden. Ihr müsst nur wissen, wo ihr steht und was der nächste Schritt ist. Alles andere kostet euch die Energie, die ihr in andere Themen ebenso investieren müsstet.
Der Selbsttest für unterwegs
Frag diese Woche drei Leute aus deinem Führungsteam, wo ihr mit KI steht.
Bekommst du drei gleiche Antworten: Gratulation, wirklich. Dann seid ihr weiter als die meisten.
Bekommst du drei verschiedene: Dann ist die KI-Potenzialanalyse euer nächster Schritt. Und Klarheit ist die günstigste Form von Entlastung, die wir kennen.
Erfahre mehr über die KI-Potenzialanalyse und kontaktiere uns unverbindlich für ein erstes kostenloses Gespräch.

