(Gast-Blog mit David Berger)
Du bist ein Agile Coach. Du willst von Erfahrungen praxiserprobter Agilisten profitieren? Wir schenken dir elf Gratistipps für effektivere und effizientere Teams. Willkommen.

Tipp 1: Standort bestimmen, Position relativ einnehmen

Etliche Tests sind verbreitet, um den Reifegrad einer agilen Implementation zu bestimmen. Wir können folgende Praktiken empfehlen:

Sie helfen zu verstehen, ein Team richtig einzuordnen. Zudem regen diese zur Diskussion und zum Nachdenken an.

Tipp 2: Knowhow teilen

Manchmal fühlt man sich wie auf verlorenem Posten. Das Internet, die Literatur und die Szene ist voller Erfolgsgeschichten, doch bei meinem Team ist alles anders? Wir empfehlen, das agile Wissen konstant zu teilen. Hier ein Erklärvideo, dort ein Agilist-Blog. Wir predigen keine Geheimwissenschaft, sondern das Erfahrungswissen einer weltweiten Community. Wir sind nicht alleine. Gemeinsam können wir alles.

Tipp 3: Scrum Patterns implementieren

Scrum Patterns sind erprobte Patterns um Scrum Teams in ihrer Effektivität und Effizienz weiter zu entwickeln. U. a. sind dies Massnahmen wie Yesterday’s Weather, Good Housekeeping und so weiter. Wieso also nicht davon profitieren?

Tipp 4: Work-In-Progress limitieren, Swarming begünstigen

Multi-Tasking ist böse:

  • Wir verzetteln uns
  • Wir verlieren Fokus
  • Wir bezahlen hohe Task-Switching Kosten

Dein Team startet in jedem Sprint alle Stories gleichzeitig. Kurz vor Sprintende kann das Team die Hälfte der Stories „irgendwie“ abschliessen. Dein Team konstruiert Abhängigkeiten zwischen einzelnen Stories, weil sie „gerade Komponente XY anfassen“ müssen. Kurzum: Obwohl alles offen ist, ist nichts erledigt.

Die einfachste Massnahme ist Work-In-Progress-Limit (WIP-Limit) zu installieren. Die Hälfte der Team-Mitglieder ist das natürliche WIP-Limit. Sechs Mitarbeitende müssen sich nun für drei aktiven Aufgaben organisieren. Sie müssen kommunizieren und nun zusammenarbeiten. Swarming ist die Devise.

Tipp 5: Impediment-Handling durchsetzen

Kontinuierlich will man sich verbessern. Eine Retrospektive ist mit einem Plan- und Lernzyklus getaktet. Es werden Daten gesammelt, bewertet und es werden schliesslich Massnahmen entschieden. Doch was dann? Die Massnahmen veröden auf Confluence-Seiten. Sie sterben und unterminieren die spätere Motivation.

Impediment-Handling soll man ernstnehmen und konsequent durchsetzen. Eine simple Massnahme ist es, die Verbesserungsvorschläge des Teams im regulären Backlog zu priorisieren. Damit werden sie sichtbar und können nicht vergessen gehen.

Tipp 6: Task-Handling analogisieren und User Stories zerkleinern

Wir lieben schlanke Tools. Doch allzu oft verstecken wir uns hinter Tools. Das ist natürlich. Besonders wenn wir Swarming begünstigen wollen (Tipp 4), kann ein Tool behindern.

Das Task-Handling wollen wir anologisieren. Also zu leichtfüssigen Post-It und Kugelschreiber statt JIRA Sub-Tasks und komplizierten Pflichtfeldern wie fixVersion(s). Damit sinkt die Hemmschwelle, rasch oder beiläufig einen Task zu erstellen.

Was sich ohnehin immer bewährt, was immer die Zusammenarbeit, Transparenz und Kommunikation verbessert, sind kleinere User Stories, die rascher erledigt werden können. Und damit rascher Wert liefern können. Zudem ist es schneller und einfacher ersichtlich, wenn die zu erledigende Arbeit ins Stocken gerät.

Tipp 7: Team-Tage definieren

Flexible Arbeitszeitmodelle, Papi- oder Mami-Tage befürworten wir. Aber irgendwie torpedieren sie fokussierte, weil hochverfügbare und zentral besetzte agile Teams. Diesen Konflikt kann man lindern, indem man quasi Blockarbeitszeiten und -tage definiert. In diesem Zeitraum ist maximale Verfügbarkeit verpflichtend. Die Tage dürfen rotieren.

Tipp 8: Definition of Ready und Definition of Done initialisieren

Eine Definition of Ready (DoR) schützt das Team, eine Definition of Done (DoD) die Stakeholder. Die DoR ist die „Eintrittshürden“ für den Sprint, die DoR die „Austrittshürden“ aus dem Sprint. Eine anfänglich möglichst grosse DoR und eine anfänglich möglichst kleine DoD können die Sprint-Qualität erhöhen.

Tipp 9: Team demonstriert ihre Ergebnisse

Nicht der Scrum Master, noch weniger der Product Owner, sondern das Team präsentiert die Sprint Ergebnisse. Niemand soll „kapseln“, was das Team vollbracht hat. Eine schlanke Review-Vorbereitung organisiert, wer welche Geschichte demonstriert.

Tipp 10: Beginne „Oben-Rechts“ mit der Standup Moderation

Es interessiert nicht primär, wer was getan hat und noch tun wird. Sondern wie man als Team die Stories möglichst schnell erledigen kann, damit sie möglichst rasch Wert für den PO, das Team selber und die Stakeholder schaffen. Also moderiert man das Standup von „Oben-Rechts“, iteriert durch die einzelnen Aufgaben:

  • Was müssen wir tun, damit die Story „Oben-Rechts“ möglichst rasch erledigt werden kann?
  • Was behindert das Team?

Tipp 11: Transparenz – Alles muss aufs Board

Alles muss aufs Board. Wenn das Team noch Wartung macht, unbedingt Kapazität reservieren und eine Schwimmbahn aufm Board vorsehen. Oder – wie bereits erwähnt – Verbesserungsvorschläge aus der Retrospektive ebenfalls gleichwertig im Sprint Backlog priorisieren.

Was bleibt?

Gewiss reichen diese Massnahmen nicht aus, ein Team vollends zu agilisieren. Wir als Agile Coaches beabsichtigen stets, uns selber abzuschaffen. Eine heile, weil vollends agilere Welt benötigt keine Agile Coaches mehr. Die Teams verbessern sich kontinuierlich, produzieren Wert für Stakeholder und Gesellschaft und optimieren ihre Arbeitsbedingungen. Niemand muss sie mit „Schockmassnahmen“ aufrütteln.

Doch leider sind wir noch einige Jahren von einer heilen agilen Welt entfernt. Wir freuen uns aber in der Zwischenzeit auf den Austausch. Was sind deine ultimativen Tipps, um dein Team zu agilisieren?